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Abbildung: Abtei Echternach Gruppenfoto

Bericht: Holger Martsch

Dreitagesreise mit zahlreichen Glanzlichtern – Fahrt des Heimatvereins Drensteinfurt nach Trier und Luxemburg

Drensteinfurt. „Wenn Engel reisen … “ so der Kommentar einer Heimatfreundin während der Bustour des Heimatvereins Drensteinfurt vom 21. bis 23. September 2018, die dieses Mal in den Südwesten, nach Trier und Luxemburg, führte.

Das bezog sich nicht nur auf den Namen des Ahlener Busreiseveranstalters, sondern auch auf das angenehme Wetter, das die rund fünfzig Reiseteilnehmer genießen konnten, und die heitere Stimmung während der gesamten Reise. Der Ausflug war von Annette und Franz-Josef Naber bereits ein Jahr zuvor sorgfältig ausgearbeitet worden. Sie hatten sich vor Ort das Hotel, die Gaststätten und alle Sehenswürdigkeiten angesehen.

Trier

Trier, vor mehr als 2000 Jahren gegründet, kann auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Die Universitäts- und Verwaltungsstadt zählt heute 110.000 Einwohner und 40.000 Studenten. Sie hat sie eine ganze Reihe von Baudenkmälern vorzuweisen, die zum Teil in die Kategorie „UNESCO-Weltkulturerbe“ fallen. Während der mehr als zweistündigen qualifizierten Stadtführung am Freitag, 21. September, eröffneten sich den Besuchern aus Drensteinfurt illustre Einblicke in die Baugeschichte des römischen Stadttors Porta Nigra, der Konstantinbasilika und der Kaiserthermen. Faszinierend gestaltete sich die Erkundung der „Unterwelt“ der Thermen mit ihren unterirdischen Heizsystemen und Versorgungsgängen. Hier unten schufteten in der Antike hunderte von Sklaven in rauchverpesteter Luft, um den Römern entspannende Bäder in angenehm temperierten Wasser zu ermöglichen. Im vierten Jahrhundert nach Christus erbauten die Römer unter Kaiser Konstantin dem Großen die Konstantinbasilika als Audienzhalle des Kaisers. Im Mittelalter nutzte sie der Erzbischof als Teil seiner Residenz. Für den Bau des Trierer Doms verwendeten die mittelalterlichen Baumeister aus der Antike stammende Materialien neu – heute würde man es „recyceln“ nennen. Bei den Trierer Bürgern genoss der Erzbischof allerdings wenig Sympathie – davon zeugt unter anderem eine alte Ritterfigur am Markt: Sie wendet sich kampfbereit, mit heruntergeklapptem Visier, in Richtung Bischofssitz. Wohlhabende Bürger spendeten immer nur für ihre Marktkirche, nicht den Dom. 
Karl Marx und Trier
 Keine politische und wirtschaftlichen Macht in den Händen weniger, keine Herrschenden, keine Arbeitssklaven – gesellschaftliche Klassengegensätze wollte Karl Marx, Protagonist der Arbeiterbewegung, durch die „Herrschaft des Proletariats“ ersetzen. Vor zweihundert Jahren wurde er am 5. Mai 1818 in Trier geboren. Deshalb richtet die Stadt ihren Blick In diesem Jahr ganz besonders auf ihn, bietet Ausstellungen und diverse Veranstaltungen an. Unübersehbar die große Anzahl von Chinesen, die in die Stadt quasi als Pilgerort aufsuchen, prägte doch die kommunistische Ideologie ihr Land maßgeblich.

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Abbildung: Schiessentümpel im Mullerthal
Foto Vincent de Groot

Luxemburg

Susanne Romoth, Stadtführerin aus Trier, begleitete die Drensteinfurter auf ihrer Fahrt nach Luxemburg und führte sie durch die Stadt. Das Großherzogtum Luxemburg hat eine Ausdehnung von etwa 50 x 80 Kilometern, die Stadt selbst rund 12.000 Einwohner unterschiedlicher Nationalitäten. Die Entfernung zu Trier beträgt gut 50 Kilometer, zehntausende Pendler kommen auch aus Deutschland täglich nur zum Arbeiten hierher, denn das Wohnen ist außerordentlich teuer. Die Hochebene Kirchberg ist ein sichtbar expandierender Teil der Stadt, der sich weiträumig in die bisher landwirtschaftlich genutzte Umgebung frisst. Hier reihen sich Niederlassungen der internationalen Großbanken aneinander und hier ragen hochmoderne, gigantische Gebäude der EU-Gerichtsbarkeit und -Verwaltung auf. Kommentar eines Mitreisenden: „Wenn du nicht weist, wo die vielen Steuern, die du zahlst, bleiben – hier siehst du es.“ Allein der viele Millionen verschlingende Neubau des europäischen Gerichtshof umfasst drei gigantische Bürotürme; zwei davon dienen nur einem Zweck: Hier wird die Flut der täglich anfallenden Gerichtsdokumente, Verfügungen und Verordnungen in alle europäischen Sprachen übersetzt. Doch nicht alles ist teuer in Luxemburg: In Wasserbillig an der luxemburgisch-deutschen Grenze reiht sich Tankstelle an Tankstelle. Denn hier ist der Sprit mindestens 30 Cent pro Liter günstiger als in Deutschland, und bei diesen Preisen lohnt sich sogar eine Tankfahrt von Trier aus. Beispiel: Diesel in Trier 1,50 Euro, in Wasserbillig 1,13 Euro. Altstadt und Festungsanlagen
Quirlig und charmant zeigte sich die Luxemburger Altstadt, ein Touristenmagnet mit vielen Sehenswürdigkeiten wie der Kathedrale und den Kasematten. Bei den Kasematten handelt es sich um den verbliebenen Rest der ehemals 2,6 Kilometer langen Festungsanlagen mit zahlreichen Geschützstellungen, die in den Sandstein des Luxemburger Bockbergs getrieben worden waren. Für Napoleon stellte diese Bastion auf seinem Eroberungsfeldzug allerdings keine besondere Schwierigkeit dar; er hungerte die Luxemburger einfach aus. Obwohl International und vielsprachig geprägt, ist neben Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Englisch und Deutsch überall das Luxemburgische zu vernehmen. Es handelt sich um ein so genanntes Moselfränkisch. „Mer wölle bleiwe wat mer sin“ lautet also das Motto auf einem Gebäudeerker in der Altstadt.
Es fällt auf, wie gepflegt und sauber alles ist; keine Plastikflasche, kein Wegwerfbecher, keine Zigarettenkippe liegt herum.

Auf der Fahrt zurück nach Trier steuerte der Bus die amerikanischen und deutschen Soldatenfriedhöfe Luxemburg und Sandweiler zwecks Besichtigung an. Hier ruhen tausende im Zweiten Weltkrieg in der Ardennenschlacht gefallene Soldaten, auch der amerikanische Befehlshaber General Patton. Letzterer war allerdings einem Attentat in den USA, verübt von amerikanischen Staatsbürgern, zum Opfer gefallen.

Weiter ging die Fahrt durch die Kleine Luxemburger Schweiz mit dem von hohen Sandsteinfelsen gesäumten Müllerthal, einem wildromantischen Kletter- und Wanderparadies.

Nächstes Ziel war die Abtei Echternach. Wegen unvermutet gesperrter Ortsdurchfahrten musste der riesige dreiachsige Bus über schmale Wirtschaftswege nach Echternach navigieren. Stefan, der Fahrer, meisterte die schwierige Strecke mit Bravour und erntete dafür herzlichen Applaus. 
Die Reichsabtei Echternach geht auf eine Gründung des angelsächsischen Missionars Willibrord aus dem siebten Jahrhundert zurück. Neben großen Teilen der Konventsgebäude ist von dem ehemaligen Benediktinerinnenkloster St. Peter und Paul die rekonstruierte Basilika St. Willibrord erhalten.

Freilichtmuseums Kommern

Für die Rückfahrt am Sonntag hatte der Wetterbericht ergiebigen Regen angekündigt, der dann auch eintraf, und so musste die geplante ausgiebige Besichtigung des Freilichtmuseums Kommern (nahe Mechernich) verkürzt werden. Wegen des Starkregens empfahlen sich Innenbesichtigungen, so auch die der „unser Rheinland“ genannten Halle. In dieser haben die Museumsleute eine Art regionale Zeitschiene vom Mittelalter bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg installiert, die die Besucher durchwandern können. Beeindruckende Szenarien veranschaulichen das Leben in den verschiedenen Epochen. Quasi Alleinstellungsmerkmal des Museums in Kommern ist, dass es die Brücke in unsere Zeit schlägt. So gibt es neben historischen Bauernhäusern auch ein Quelle-Fertighaus aus den Sechzigerjahren und Wohncontainer von Flüchtlingen zu besichtigen.

Übrigens ist die nächste Dreitagestour des Heimatvereins bereits in Vorbereitung; sie soll 2019 nach Lübeck führen.

Galerie Holger Martsch

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