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Bild oben: Dr. Ralf Klötzer während der Diapräsentation - Foto: Gertrud Münstermann

14.02.2018 - Die Wiedertäufer in Münster

Referent: Dr. Ralf Klötzer, Historiker

Von Mechthild Wiesrecker
Die Geschichte der Täufer ist das Steckenpferd von Dr. Ralf Klötzer, der in den 1980er Jahren seine Doktorarbeit über dieses Thema geschrieben hat. Seit 1536 hängen drei eiserne Körbe an der Südseite des Turmes der Lambertikirche in Münster. In diesen Körben befanden sich seinerzeit die Leichen der drei Wiedertäuferführer Jan van Leiden, Bernd Krechting ck und Bernd Knipperdolling. Die Körbe sollten für ewige Zeiten als Abschreckung für die Nachwelt zur Schau gestellt werden. Um einen genauen Einblick in die Historie der Wiedertäuferbewegung zu erhalten, hatte der Heimatverein am Mittwochabend Bald Klötzer als Referenten in die Alte Post eingeladen.

In seinem anschaulichen Vortrag ließ der Historiker mit zahlreichen Bildern die alte Geschichte lebendig werden. Aber auch Aktuelles, wie die Lichtinstallation „Die drei Irrlichter“ des Künstlers Lothar Baumgarten, vernachlässigte er nicht. Baumgarten hat in 60 Metern Höhe in den Käfigen je eine Glühbirne angebracht, die bei Dunkelheit leuchtet und an die Seelen der Getöteten erinnern soll.

In seinem der Bilderschau folgenden rund einstündigen Vortrag ging Klötzer der Entstehung der Täuferlehre im Allgemeinen und im Besonderen in der Stadt Münster nach. Diese sei vorrangig eine Kritik an der Lehre der katholischen Kirche gewesen. Besonders der Kindstaufe standen die Wiedertäufer ablehnend gegenüber. Stattdessen propagierten sie die Erwachsenentaufe. Auch für die Ehe entwarf die Bewegung neue Regeln, so setzten sie sich für die Ehepflicht für Frauen und das Recht auf Mehrehe für Männer ein. Ihre Überzeugung sei gewesen, so Klötzer, dass die Wiederkunft Christi unmittelbar bevorsteht. Bestätigt fühlten sich die Täufer durch tatsächliche, aber heute leicht erklärbare Naturphänomene wie die drei Sonnen.

Als im Jahr 1534 Jan van Leiden in Münster den Rat der zwölf Ältesten sowie den Geldverkehr abschaffte, begann der Fürstbischof mithilfe der Reichstruppen die Rückeroberung der Stadt. Nach Belagerung, Aushungerung und Kampf wurde schließlich den Anführern der Prozess gemacht und das Todesurteil vollstreckt. Am Ende des informativen Vortrags spendeten die mehr als 40 Interessierten spontanen Applaus.