img1
Bild oben: Schlauchabteilung im Jahr 1929 mit der neuen Motorspritze

14.03.2018 - Mit Pickelhauben zum Brandeinsatz

die Geschichte der Drensteinfurter Freiwilligen Feuerwehr

Referent: Willi Mussenbrock

Von Holger Martsch und Gertrud Münstermann
Über die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Drensteinfurt referierte Willi Mussenbrock am 14. März 2018 in der Alten Post. Er gehört seit 38 Jahren zu der Truppe, die seit 1882 existiert. „Die Drensteinfurter Bürger wollten es vermeiden, tatenlos zusehen müssen, wie die entfesselten Elemente die Arbeit ganzer Generationen in Rauch und Asche untergehen ließen“, so Mussenbrock. Die effektive Brandbekämpfung galt es straff zu organisieren, und bald nach der Gründung verabschiedeten die Feuerwehrleute ein Statut, das den Dienst genau regelte. Kennzeichen wie Sterne und Streifen auf den Uniformen machten den Rang und die Befugnisse der unterschiedlichen Dienstgrade deutlich, die Löscheinheit gliederte sich in mehrere Abteilungen mit genau definierten Aufgabenbereichen. So gab es Steiger- Rettungs-, Wasser- Spritzen- und Ordnungsmannschaften. Einmal im Monat übten sie den Ernstfall, wobei Drill und quasi militärischer Gehorsam ganz oben auf der Wertskala standen.

Drensteinfurter Wehr berüchtigt als säumiger Zahler

Löschgeräte und Ausrüstungsgegenstände hatte die Gemeinde zu bezahlen, die war aber knauserig und ließ den Bielefelder Fachausrüster in der Regel mindestens ein Dreiviertel Jahr lang auf den Zahlungseingang warten. Der Lieferant hatte zunächst versucht, mit Bitten, Flehen und schließlich Drohungen einigermaßen pünktlich sein Geld zu kommen, jedoch vergeblich. Dann versuchte er es mit Humor: Für die säumigen Drensteinfurter hatte er besondere Mahnschreiben mit einer Grafik drucken lassen: Ein pfiffiger, gereimter Spruch, der als Rauch aus dem Fabrikschornstein quoll, sollte auf des Gewissen der zaghaften Zahler einwirken: würden alle so spät oder gar nicht zahlen, und das ganz ohne nachvollziehbaren Grund, könne er doch seinen Laden zumachen. Die Firma hat allerdings überlebt und es gibt sie heute noch.

Anschaffungen waren damals zum Beispiel Behälterwagen für Löschwasser, Schaufeln, Spaten, Äxte und Kreuzhacken, Einsatzkleidung, Uniformen. Vier durch die Kraft der Lunge zu betätigende Signalhörner dienten der Alarmierung. Eine neue Spritze und andere Löschgeräte bekam die Wehr 1883. In diesem Jahr zählte sie bereits 120 Mitglieder. Bald war das erste Spritzenhaus zu klein und die leere Tenne der Bauernfamilie Bonse wurde angemietet. Anfänglich gab es noch keinen Steigerturm, in dem die Schläuche getrocknet und an dessen Außenwänden die Feuerwehrleute das Erklimmen von Fassaden mit Steckleitern üben konnten. Ersatzweise nutzte die Feuerwehr das Privathaus Mehring für ihre Zwecke. Aus den frühen Jahren der Wehr gibt es drei Fotos, die vermutlich Ende der Zwanzigerjahre entstanden und die Mannschaft mit Pickelhauben zeigen. Diese ledernen Helme waren mit Metall verstärkt und besaßen obenauf eine Spitze, den „Pickel“. Dieser sollte vermutlich, so Mussenbrock, Schutz und Werkzeug zugleich sein: Abwehr von herabfallenden Balken und Hilfsmittel zum aufbrechen von Türen; letzteres stelle sich der geneigte Leser bildlich vor – Beim Publikum sorgte es für Erheiterung. Die Feuerwehren der drei Gemeinden Ascheberg, Sendenhorst und Drensteinfurt unterstützten sich im Notfall gegenseitig. Deshalb organisierten sie im Oktober1892 ein gemeinsames Feuerwehrfest. Während dieses Festes durfte die Drensteinfurter Wehr dann endlich ihren ersten Steigerturm einweihen, eine Holzkonstruktion. Diese erhob sich auf der rechten Werseseite, etwa dort, wo sich heute die Anglerhütte befindet. Der Holzbau wich 1924 einem aus Ziegeln gemauerten, mehrstöckigen Turm mit Beobachtungsplattform, der aber später den Verkehrsplanungen im Bereich Sendenhorster Straße und Südwall weichen musste. Das Spritzenhaus hatte man bereits 1897 erweitert. 1925 kam die erste Alarmsirene auf die Turmspitze.

Auch bei den Drensteinfurter Pferderennen dabei

1926 unterstützte die Drensteinfurter Wehr erstmalig das Pferderennen mit Ordnungsmannschaften. Ende 1964 begann der Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses, das 1966 fertiggestellt wurde. Die Jugendfeuerwehr gründete sich 1976.

Neues Gebäude 2016

Mit dem ersten Spatenstich wurde der Bau des neuen Feuerwehrhauses an der Konrad-Adenauer-Straße im Jahr 2014 begonnen. Am 2. Januar 2016 zog die Feuerwehr mit Blaulicht und Sirenen im Konvoi mit sieben Fahrzeugen in den Neubau um.

Übrigens: Willi Mussenbrock möchte seine Sammlung über die Feuerwehr Drensteinfurt erweitern. Wer noch noch Bilder, Berichte, Artikel aus den Zeitungen hat und sie zur Verfügung stellen möchte, kann sich gerne bei ihm melden.