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  • Stewwerter Stadtwappen Hirsch

    Am 3. Oktober 2020, Tag der deutschen Einheit, 30 Jahre nach der Wiedervereinigung, enthüllt der Heimatverein Drensteinfurt feierlich die Hirschskulptur auf dem Kreisel zwischen Ahlener Weg, Kleiststraße und Sendenhorster Straße. Es ist die Tierfigur aus dem Drensteinfurter Stadtwappen, nunmehr als Großplastik gefertigt aus Cortenstahl, etwa 1,5 Tonnen schwer. Die rostige Oberfläche des Stahls erweckt Assotiationen an die Fellfarbe von Rotwild. Der Rost schützt das Metall vor weiterer Oxydation. Wer den Ahlener Weg stadteinwärts fährt, den begrüßt jetzt der Hirsch, der mit seinem Kopf in Richtung Wersebrücke/Sendenhorster Straße weist.

    Eine Idee geht ihren Weg

    Die Idee, eine Hirschskulptur in die Mitte eines Kreisverkehrs zu stellen, entstand 2009 im Vorstand des Heimatvereins. Allerdings waren andere Projekte zunächst vorrangig und so wurde die Idee in den folgenden Jahren zunächst nicht mehr weiterverfolgt. Zehn Jahre später, 2019, griff Günter Koch das Projekt wieder auf und setzte sich für dessen baldige Umsetzung ein. Noch in dem selben Jahr kam es zum ersten Ortstermin am Kreisel. Dabei sah man, das in der Mitte der Verkehrsinsel eine junge Eiche wächst, ausgerechnet dort, wo man die Skulptur aufzustellen gedachte. Im Vorstand entstand im Folgenden eine lebhafte Diskussion darüber, ob der Baum aus gestalterischen Gründen von der Verkehrsinsel entfernt werden müsse oder ob er dort auf jeden Fall verbleiben solle. Wir haben uns dafür entschieden, den Baum stehen zu lassen und die Skulptur daneben aufzustellen.

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    Unterstützung

    von der Stadt, dem Kreis Warendorf, dem Land Nordrhein-Westfalen und ehrenamtlichen Helfern

    Astrid Bremer von der unteren Denkmalbehörde fertigte eine Umrisszeichnung des Hirschs an. Sie diente als Vorlage für den späteren Laserschnitt.

    Um eine Genehmigung zum Aufstellen der Figur zu erhalten, mussten einige Modalitäten mit der Warendorfer Kreisverwaltung geregelt werden. Gefordert war unter anderem ein Standsicherheitsnachweis in Bezug auf die Windlast. Michael Weber, Bauingenieur, Statiker und Mitglied im Heimatverein, arbeitete die statischen Berechnungen kostenlos für uns aus. Ausgedruckt umfasst dieses Dokument 80 Seiten.

    Nach der Genehmigung war noch die entscheidende Frage der Finanzierung zu klären. Jana Uphoff, Regionalmanagerin des Förderprogramms 8 plus Vital NRW, half uns, die nötigen Fördermittel zu beschaffen. Ergebnis: Das Land NordrheinWestfalen übernimmt 80 Prozent der Kosten, 20 Prozent tragen wir. Mit der auf diese Weise gesicherten Finanzierung konnten wir das Projekt praktisch in Angriff nehmen.

    Die Firma Heitmann Stahlhandel, Münster, schnitt die Figur mit einem PräzisionsLaser aus einer etwa 4 cm dicken Stahlplatte. Dabei entstanden eine Positiv- und eine Negativform (rechteckige Stahlplatte abzüglich ausgeschnittenem Hirsch). Letztere soll nicht eingeschmolzen sondern an passender Stelle ebenfalls in Drensteinfurt aufgestellt werden.

    Alle weiteren Arbeiten , die für das Aufstellen und sturmsichere Verankern der Figur nötig waren, führten unsere Vereinsmitglieder Sven und Ludger Niesmann ehrenamtlich durch.

    Der Bauhof der Stadt Drensteinfurt hob ohne Berechnung von Kosten eine Grube für das Fundament aus und bereitete den Baustahl für die Armierung vor. Auch führte er sämtliche gärtnerischen Arbeiten aus.

    Ein weiterer Schritt war das Gießen des Fundaments und das Aufmauern der Feldsteine. Diese Arbeiten führte der Maurermeister Josef Reher unentgeltlich aus.

    Er stelle außerdem kostenlos alle Feldsteine zur Verfügung, die den Sockel dekorativ umrahmen. Diese Steine sollen auch an die steinige Furt durch die Werse erinnern, durch die der Stadtname entstand.


  • Der Hirsch im Stadtwappen

    (Text mit freundlicher Genehmigung des Stadtarchivars Dr. Ralf Klötzer)

    Der aufrechte Hirsch im Drensteinfurter Stadtwappen ist jünger, als die meisten Stewwerter vermuten dürften. Ein Stadtwappen für Drensteinfurt wurde lange vermisst, und so hat man es 1971 kurzentschlossen erschaffen. In der heutigen Form ist es 1976 genehmigt worden. Vorbild war das bis 1805 verwendete Siegel des Richters in Drensteinfurt. Es zeigt den Hirsch allerdings nicht über die Steine der Furt, sondern über die Grasbüschel einer Wiese schreiten, und am linken Bildrand ist ein Baum zu sehen.

    Aber auch das Vorbild für das heutige Wappen hatte Vorläufer. Seit mehreren Jahren forscht Dr. Ralf Klötzer, der im Auftrag der Stadt Drensteinfurt das Archiv auf Haus Steinfurt bearbeitet, auch nach den wechselnden Siegeln der in Drensteinfurt seit fast 800 Jahren amtierenden Richter. Der Wiesenhirsch des Richters war vor 1805 nur ca. 25 Jahre lang in Gebrauch. Durch einen glücklichen Fund weiß Dr. Klötzer, wann dieser Hirsch ins Leben trat. Es war der 21. Februar 1781, als der gerade zwei Monate zuvor in das Richteramt berufene Johan Peter von der Becke den älteren Siegelstempel beiseite legte, der Dr. Klötzer bei seinen Archivarbeiten ebenfalls in die Hände fiel.

    Schon das ältere, bis 1781 gebrauchte Siegel zeigt den Wiesenhirsch in gleicher Umgebung, wenn auch weniger elegant in der Haltung und weniger fein gezeichnet. Wichtigster Unterschied jedoch: Dem älteren Siegel fehlt jegliche Schrift, während auf dem jüngeren „Siegel des Richters zu Steinfurt auf dem Dren“ in zum Teil abgekürztem Latein zu lesen ist (SIGIL. IUDIC. STEINFORDIE SUPER DREN).

    Wie die Richter zu Drensteinfurt auf den Hirsch kamen, kann auch Dr. Klötzer nicht sagen. Er hat aber herausgefunden, dass das ältere Hirschsiegel ungefähr 110 Jahre lang in Gebrauch war. Das früheste bekannte Dokument mit Hirschsiegel wurde 1674 ausgestellt.

    Dr. Klötzer führt eine mittlerweile fast lückenlose Richterliste seit 1468. Die Richter benutzten zunächst wechselnde Siegel. Wenn einem Richter kein Siegel zur Verfügung stand, so war er genötigt, mächtige Männer seiner Umgebung, meist den Herrn zu Steinfurt, um Besiegelung zu bitten. Der erste Richter mit Siegel war Herman Vossebecke (Bedeutung des Namens: Fuchsbach) im Jahr 1498 – sein Wappen: ein Fuchskopf. Wenig später, 1539, erscheint Richter Johan Porseman mit einem Rehkopf, gefolgt von Richter Niclaes Bruens (um 1562– 1584) mit einem Hasenkopf im Siegel. Da sogenannte redende Wappen beliebt waren, könnte man von Pors... (Pirsch?) auf den Rehkopf und von Bruen... (Braun) auf den Hasenkopf schließen. Doch waren die Richter keineswegs auf Tierköpfe festgelegt, wie das Wappen des Richters Engelbert Schumacher (um 1593–1596) beweist, das lediglich den Großbuchstaben A zeigt.

    Eine Wende brachte die Amtszeit von Jacob Vlöige (um 1597–1603), als nämlich erstmals ein Siegel geschaffen wurde, das an das Amt und nicht an die Person gebunden war. Es wurde der bereits bekannte Hasenkopf des Richters Niclaes Bruens verwendet, die Umschrift jedoch neu formuliert. In wörtlicher Übersetzung: „Siegel des drensteinfurtischen Richters“ (S. IVDICI DREENSTEINFORDIENSIS). Hiervon findet sich das erste Beispiel an einem Dokument aus dem Jahr 1600. Über ein halbes Jahrhundert blieb es dabei. Dietherich Lethmate (um 1604–1631), Andreas Koete (um 1633–1637), Hilbrandt Stoeve (um 1638–1657) und Herman Steffgens (um 1658–1662) verwendeten das Hasenkopfsiegel des Richters zu Drensteinfurt, bis dann 1674 oder etwas früher, in der Amtszeit des Richters Henrich Kappelhoff (um 1664– 1693), das Hirschsiegel in Gebrauch kam.


  • Fotos: G. Münstermann

    Der Stewwerter Hirsch wurde von Mitgliedern des Heimatvereins am Donnerstagvormittag, dem 24.09. im Kreisverkehr Ahlener Straße/ Sendenhorster Straße aufgestellt. Mit viel Feingefühl hievte Ludger Niesmann den herausgelaserten Hirsch aus 60 Millimeter Cortenstahl mit sechs Bohrlöchern auf den Betonsockel (Furt). Dabei unterstützten die Heimatfreunde mit vereinten Kräften den Hirsch Millimeter genau auf den vorgefertigten Gewindestangen zu platzieren. Im Anschluss wurde er mit Muttern befestigt und den restlichen Steinen von Josef Reher auf und neben den Betonsockel verziert. Sehnsuchtsvoll wartet nun der verhüllte Hirsch auf die Enthüllung und damit am 03. Oktober offizielle Freigabe.

  • Fotos: Franz-Josef Naber, Günter Koch
    Sockel vorbereiten und betonieren, die Furt mit Steinen dekorieren

    Der erste Vorsitzende Franz-Josef Naber und zweite Vorsitzende Günter Neuer, Günter Koch und Josef Reher haben am 16. September mit den Arbeiten am Kreisverkehr begonnen. Zuerst wurde ein Loch ausgeschachtet, eingeschalt, ein vorgefertigter Stahldraht eingesetzt und abschließend mit Fertigbeton befüllt. Drei Tage später konnte die Betonplatte mit Steinen als Furt dekoriert werden.

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