Foto: ©_ Gisela Schäper

Modellbau altes Stewwert

Günter Koch rekonstruiert das alte „Stewwert“

Foto: ©_ Gisela Schäper

„Früher war es richtig schnuckelig und gemütlich hier“, meint Günter Koch über das alte Drensteinfurt, liebevoll auch „Stewwert“, sprich: „Stäwwät“ genannt. Im Zweiten Weltkrieg hatte ein Bombenangriff auf die alte Ackerbürgerstadt Häuser ausradiert oder schwer beschädigt. Jahrzehnte nach dem Krieg jedoch ging noch viel mehr verloren. Denn einer falsch verstandenen Stadt„sanierung“ fielen in den Sechziger- und Siebzigerjahren reihenweise Gebäude zum Opfer, und das war der schwerwiegendste Einschnitt in ein über Jahrhunderte gewachsenes Zusammenspiel typischer regionaler Architektur. Diese Bauten, wären sie erhalten und sachgerecht gepflegt worden, hätten den heutigen Ortskern um einige Sehenswürdigkeiten bereichert und damit vermutlich auch für den Tourismus attraktiver gemacht.

Das gemütliche alte Stewwert“ lässt Günter Koch in seiner Kellerwerkstatt neu entstehen. Bereits seit vierzig Jahren arbeitet der jetzt Achtzigjährige beständig an seiner „Stadtgeschichte en miniature“ und stellt seine Kreationen auch immer wieder aus. Sie finden große Bewunderung bei Erwachsenen als auch bei Kindern. Auch frühere Infrastruktur wie das alten Bahnhofsgelände, den Amtshof, verschiedenen Mühlen und ein Strontianitbergwerk lässt Koch als Miniatur wieder lebendig werden. Leider fehlt immer noch ein Raum für eine Dauerausstellung, jedoch sind seit dem 8. Dezember 2017 mehrere seiner Häuserensembles im Schaufenster des ehemaligen Spielzeuggeschäfts Grumann in der Mühlenstraße zu sehen.

Daneben arbeitet er aktuell an der Entwicklung eines Doppel-Stadtmodells, das der Heimatverein Drensteinfurt e. V. in seinem Jubiläumsjahr 2019 vor der historischen „Alten Post“ in Bronze gegossen aufstellen will. Die auch von Blinden ertastbare Plastik soll zwei Zustände der Stadtentwicklung zeigen, zeitlich gut 200 Jahre voneinander entfernt.

Das Anfang Dezember 2017 erschienene und von Bürgermeister Carsten Grawunder der Öffentlichkeit vorgestellte Buch „Drensteinfurt im Modell“ widmet sich der Arbeit von Günter Koch, dem leidenschaftlichen Modellbauer. Herausgeber ist die Stadt Drensteinfurt. Die ortsansässige Designerin und Fotografin Gisela Schäper hat Kochs Werke fotografisch gekonnt in Szene gesetzt und das Layout des Buchs visuell ansprechend gestaltet. Ihren Modellbau-Aufnahmen stellt sie Situationen vor Ort gegenüber, wie sie sich heute darstellen. „Das richtige Licht ist entscheidend,“ stellt sie fest, „und ich bin immer wieder zu verschiedenen Zeitpunkten zu den selben Häusern gegangen, um letztendlich die passende Lichtsituation für das Foto zu haben.“ Der Aufwand hat sich gelohnt, denn herausgekommen sind beeindruckende Bilder, die selbst Ortskundige überraschen.

Verfasser der Texte ist Dr. Ralf Klötzer. Der promovierte Historiker, gebürtig aus Frankfurt, wohnt in Münster und kümmert sich dort um das Lepramuseum im Stadtteil Kinderhaus. In Drensteinfurt arbeitet er im Auftrag der Stadtverwaltung seit einigen Jahren die Ortsgeschichte archivaisch auf. Übrigens hat er jeweils montags während seiner Sprechstunde in der Stadtverwaltung in puncto Stadtgeschichte ein offenes Ohr für alle Bürgerinnen und Bürger.

Das Buch „Drensteinfurt im Modell“ ist ab sofort zum Preis von 24,90 Euro in der Bücherecke, Wagenfeldstraße, und bei der Stadtverwaltung, Landsbergplatz 7, zu haben.

Buch Modellbau

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