img1

Hobby-Historiker und Heimatfreund Günter Koch (re.) hatte das historische Holzkreuz wiederentdeckt. Bildhauer Andreas Springer aus Telgte hat die Kopie angefertigt, die am kommenden Samstag eingeweiht wird.

Wegekreuz Brauwall

Ein besonderes Projekt des Drensteinfurter Heimatvereins steht kurz vor der Vollendung. Am kommenden Samstag, 14. April, wird ein restauriertes historisches Wegekreuz feierlich eingeweiht.

„Als die Römer um das Jahr 30 einen vermeintlich einfachen Wanderprediger kreuzigten, glaubten sie wohl kaum, was in der Folge passieren würde: Mit dem Christentum entstand die größte der Weltreligionen – und ihr wichtigstes Erkennungszeichen wurde eben jenes grausame römische Folterinstrument, an dem Jesus starb“, heißt es in einem Bericht des Vereins.

Heute sei das Kreuz als christliches Symbol aus der Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Obwohl im Lauf der Geschichte oft missbraucht, sei es heute mehr denn je ein Zeichen der Hoffnung und der Liebe.

Am Karfreitag 1857 an seinem ursprünglichen Standort an der südöstlichen Schlossmauer errichtet, gibt ein altes hölzernes Kreuz Zeugnis von Dankbarkeit, verbunden mit tiefem Gottvertrauen. Das belegt der Text einer Flaschenpost, die im Sockel des Kreuzes deponiert war: Eine gefährliche Krankheit hatte damals das Leben von Louise bedroht, der einzigen Tochter von Freiherr Engelbert Alexander und Freifrau Hermine von Landsberg Velen. Doch wie durch ein Wunder überstand Louise die Krankheit, wurde wieder gesund.

Das aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammende Holzkreuz ist vor mehr als 20 Jahren abmontiert worden, wohl um es vor Beschädigungen zu schützen. Es geriet in Vergessenheit, lediglich der Text der Flaschenpost war als Kopie im Stadtarchiv greifbar. Günter Koch, Modellbauer und Hobby-Geschichtsforscher, machte sich auf die Suche nach dem verschwundenen Kreuz. Denn es war sein Traum, jenen alten Zustand wiederherzustellen, bei dem jeder Ankommende an einer der Hauptzufahrten nach Drensteinfurt von einer Skulptur des gekreuzigten Christus begrüßt wurde, heißt es in dem Bericht weiter.

Ein Modell des Kreuzes, wie es sich einmal wieder zeigen sollte, hatte er bereits gebaut – als Vorlage hatte ein altes Foto gedient. Schließlich bekam Koch Hinweise zum Verbleib der Einzelteile: Der Kreuzbalken samt Dach lagere im alten Torhaus des Schlosses, der Christus-Korpus hinge in der Loreto-Kapelle. Und tatsächlich wurde Koch im Herbst 2016 fündig, so dass die Heimatfreunde die Bauteile im Dezember 2016 bergen konnten. Verhältnismäßig gut erhalten, mussten sie aber trotzdem repariert und konserviert werden.

Nach der Freigabe durch die Baronin konnte der Heimatverein jetzt, finanziert durch eigene Mittel, einen Zuschuss der Sparkassenstiftung sowie eine private Spende, das Kreuz restaurieren lassen. Der anspruchsvollste Arbeitsschritt war dabei die genaue Kopie des historischen hölzernen Christus-Korpus. Bildhauer Andreas Springer aus Telgte-Raestrup fertigte die Replik aus 300 Jahre altem Eichenholz an. Alle Erd- und Betonarbeiten für das Fundament, Maurer- und Holzarbeiten an Sockel, Kreuzschaft und Dach schafften Mitglieder des Heimatvereins in Eigenleistung. Um das Kreuz gegen Stürme zu wappnen, hat Vereinsmitglied Norbert Unkhoff eine unsichtbare innenliegende Stahlkonstruktion als Verstärkung entwickelt.

Nun haben die Heimatfreunde das Flurdenkmal am Brauwall aufgebaut, auf einem der Stadt gehörenden Grundstück ganz in der Nähe der Wersebrücke an der Sendenhorster Straße. Für diesen Platz hat sich der Heimatverein entschieden, weil der bisherige Standort in Schlossnähe künftig durch Neubauten oder Parkplätze den Blicken der Öffentlichkeit entzogen werden könnte, teilt der Verein mit.

Am kommenden Samstag, 14. April, um 14 Uhr wird das Holzkreuz im Zuge eines kleinen Festaktes eingeweiht. Das Grußwort der Stadt überbringt Ortsvorsteher Josef Waldmann. Pastor Jörg Schlummer und der ehemalige evangelische Pfarrer Bernhard Irle werden das Kreuz am neuen Standort ökumenisch einsegnen. Zu dieser Veranstaltung sind auch alle interessierten Bürger eingeladen.

 

  • Neues Kreuz am Brauwall

    Mehr als nur ein Kunstwerk

    img1

    Der Heimatverein hatte eingeladen – und über 60 Gäste waren gekommen, um das neue Wegekreuz am Brauwall seiner Bestimmung zu übergeben. von Linus Oberhoff - WN

    Mit emotionalen Worten, feierlicher Musik und einem gemeinsamen Gebet weihten rund 60 Drensteinfurter, unter ihnen viele fleißige Helfer, am Samstag das neue Wegekreuz am Brauwall ein. Das Kreuz hat in Drensteinfurt eine lange Geschichte (WN berichteten) und ist nun nur dank intensiver und ausdauernder Bemühungen des Heimatvereins wieder als Replik am Wegesrand zu bestaunen. Der erste Heimatvereinsvorsitzende Franz-Josef Naber begrüßte die Helfer und Gäste humorvoll: „Ich bedanke mich bei unseren beiden Pastoren, dass heute auch der Wettergott mitgespielt hat.“ Bei strahlendem Sonnenschein sprach er allen Helfern und Sponsoren seinen Dank aus, und erwähnte besonders Günter Koch, Norbert Unkhoff und Gertrud Münstermann, die sich mit besonderem Engagement an der Rekonstruktion beteiligt hatten.

    Ebenfalls war Freifrau Margarete von Landsberg-Velen anwesend, die das alte Denkmal zur Restauration freigegeben hatte, sowie Vertreter der Sparkassenstiftung, die 3000 Euro beigesteuert hatte. Stellvertretender Bürgermeister Josef Waldmann sprach von der „enormen symbolischen Bedeutung“ des Wegekreuzes. „Mit diesem Kreuz haben wir nun an allen wichtigen Ortseingängen Drensteinfurts solch ein Denkmal stehen. Und während man heutzutage in vielen Städten Poller oder andere Befestigungen aufstellt, ist das Kreuz in Drensteinfurt ein Willkommens-Zeichen an alle Besucher und verdeutlicht unseren inneren Zusammenhalt“, so Waldmann.

    Auch die religiöse Bedeutung des Denkmals wurde deutlich, als Pastor Jörg Schlummer mit den Teilnehmern der Einweihungsfeier das Lied „Kreuz auf das ich schaue“ sang und ein Gebet sprach. Der ehemalige evangelische Pfarrer Herbert Irle betonte: „Das Wegekreuz ist mehr als ein Kunstwerk. Es sei ein Ort der Besinnung, des Friedens und der Menschlichkeit.“ Es verdeutliche die Liebe Gottes, die die Menschen aller Auffassungen, Hautfarben und Religionen mit einschließe. Abschließend äußerte Franz-Josef Naber die größte Angst aller Beteiligten: „Wir hoffen, dass dieses wunderbare Kreuz an dieser sehr exponierten Stelle möglichst lange vor Vandalismus verschont bleibt.“ Ob dieser Wunsch erfüllt wird, wird sich zeigen.

    Bericht WA vom 16.04.2018

  • Kreuz aufstellen, Kreuzdach und Hinterwand anbringen, Sockel anschrauben, Flaschenpost verewigen und zum Schluss die Abdeckplatte auf dem Sockel befestigen. Den Korpus mit Plane verhüllen. Die Bepflanzung mit Rosendornen beendete die Arbeiten am Wegekreuz.

  • Kreuzdach und Hinterwand - alte defekte Holzteile ausstauschen, schleifen, grundieren und Fertigstreichen, sowie alle Eisen entrosten und mit Rostschutzfarbe versehen. Bohrungen und Fräsnut am Kreuz für das U-Profil vorbereiten. Das U-Profil am Brauwall für das Kreuz ausrichten und einbetonieren. Zwei Seitenteile des Sockel mit einer CNC Maschine Rundungen fräsen. Sockel mit Abdeckplatte komplett streichen. Text für die Flaschenpost schreiben.

  • Das Fundament ausbaggern, im Anschluss daran die Schallung für den Beton vorbereiten, und das Fundament betonieren.

    Klinkersteine für die Abdeckung des Betonuntergrunds herrichten, Auf Gehrung zuschneiden und auf dem Betonsockel aufmauern.