Plattdüütsch Theater in Stewwert

Mein Hof und dein Hof, ein heiterer, ländlicher Schwank auf MünsterländerPlatt

Lustspiel von Erich Koch. Ins Plattdeutsche übertragen von Klaus-Werner Kahl. De Schwank wet in 3 Akte spielt:

Es geht um zweiBauernhöfe, wobei fiese Machenschaften und dunkle Mächte mit im Spiel sind: Josefine will mithilfe von Waltraud, die die Gabe haben soll,Leute tot zu beten, Hugos Hof an sich reißen. Doch Hugo,der sich krank stellt, hat in Absprache mit seinem Hausarzt Balduin Engel einen Plan ausgeheckt, um seinerseits an Josefines Hof zukommen… Das Ende ist gerade zu apokalyptisch.

Ein klamottiges, trickreiches Verwirrspiel der heiteren Art, bei dem kein Auge trocken bleibt. Die Theatergruppe des Heimatvereins Drensteinfurt feiert mit diesem Stück die Wiederauferstehung der plattdeutschen Bühne im Kolpinghaus Drensteinfurt und gibt im November 2019 jeweils Samstags oder Sonntags eine Reihe von Vorstellungen.

„Minen How und dinen How“

Minen How un dinen How - (mein Hof und dein Hof) ein heiterer, ländlicher Schwank auf Münsterländer Platt. Aufführungen im Saal der Gaststätte „La Piccola“, Drensteinfurt, Marienstraße 2, (ehemals Kolpinghaus)

Viel Humor und eine Prise Erotik

Gelungene Premiere für plattdeutsche Theatergruppe des Heimatvereins von Mechthild Wiesrecker

Drensteinfurt – Fast zwei Stunden lang kamen die 177 Besucher im ausverkauften Saal der Pizzeria La Piccola aus dem Lachen kaum mehr raus. Es war eine mehr als gelungene Premiere der Theaterspielgruppe des Heimatvereins, die am Sonntagabend mit ihrem plattdeutschen Drei-Akter „Minen How und Dinen How“ von Erich Koch in Übersetzung von Klaus Kahls für beste Unterhaltung sorgte. Mit einer plattdeutschen Begrüßungsrede stimmte Regisseur Günter Neuer in den Abend ein. Besonders willkommen hieß er Heike Merschhoff-Grawunder, die „üören Kiärl metbracht hat, dän Büörgemester van Stewwert Carsten Grawunder“.

weiterlesen...

Skurrile Typen bevölkerten danach die liebevoll hergerichtete Bühne im Saal von La Piccola. Auf urkomische Weise, mit viel schwarzem Humor und einer Prise Erotik spielten die Schauspieler ihre Rollen. Bei den Verwicklungen und unverhofften Wendungen mussten die Besucher schon genau aufpassen, wer denn gerade im Kostüm steckte, denn die Schauspieler tauschten ihre Rollen und lieferten ein amüsantes Verwirrspiel. Da wurden aus „Mannsleuten“ schnell mal „Frauleute“ und aus der Bäuerin unfreiwillig der Bauer.

Hauptsächlich ging es um Josefine (Annette Peiler), die sich den Hof des vermeintlich todkranken Bauern Hugo (Willi Mussenbrock) unter den Nagel reißen wollte. Mit einem abstrusen Vertrag wähnte sie sich schon als Besitzerin, allerdings hatte sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Damit Hugo dann doch noch möglichst bald das Zeitliche segnet, bestellte sie Waltraud, die Totbeterin (Ingrid Peiler), die gemeinsam mit ihrem Totenkopf Waldemar dafür sorgen sollte, dass ihr Plan aufging.

Fine war aber nicht als Einzige aufs Erbe aus. Auch ihre Tochter Martha (Irmgard Hohelüchter) spekulierte auf den Besitz. Doch die musste mit ihrem Mann Manfred (Udo Reher), der in ihren Augen nicht mehr ist als eine „lauwarme Hühnersuppe“, zuerst einen Hoferben zeugen. Waltraud empfahl Martha eine Wallfahrt zur Nikolausfichte und ein Treffen mit Knecht Alois, der ihren Wunsch nach einem Erben erfüllen sollte.

Und dann waren da noch der korrekte Doktor Balduin Engel (Paul Wickern) und Hugos Bruder Eugen (Ludger Niesmann) und ein Heiratsschwindler, der die rabiate Christine (Christine Kallinger) mit ins Geschehen brachte. Wer denn am Ende Tante Helene war, schien auf den ersten Blick gar nicht so klar, denn das Versteckspiel war durchaus gewollt. Schön, dass am Ende alles gut wurde und sich die Paare, die sich unverhofft gefunden hatten, im Whirlpool vergnügten.

Vom Lampenfieber der Schauspielschar rund um Regisseur Günter Neuer war auf der Bühne nichts mehr zu spüren. Die wenigen Textunsicherheiten quittierte das gut gelaunte Publikum mit Applaus, gaben sie doch dem Stück Natürlichkeit und Würze. Vor der Bühne half Souffleuse Maria Goßheger im extra gebauten Souffleurkasten schnell und unauffällig weiter. Hinter der Bühne agierte Regine Harbaum als Souffleuse zwischen den Einsätzen.

Jeder einzelne der Schauspieler spielte seine Rolle mit Leidenschaft und Überzeugung. Die Besucher waren restlos zufrieden und honorierten die tolle Leistung mit Ovationen, Jubelrufen und großem Beifall. „Toll, fantastisch, super, hervorragend“, sagte eine Besucherin begeistert.

Die Laienspielschar „Wi snackt platt“

Plattdüütsch Theater in den grooten Saal vun de Gaststäe „La Piccola“, Marienstr. 17

Ne ganze Masse ännere Lüe, de ächter de Kulissen methelpt. Ne ganze Masse Lüe, de ju dän Upentholt so fin es müëglik makt.

Et spiëlt met:

  • Willi Musenbrock - Hugo
  • Paul Wickern - Balduin
  • Ludger Niesmann - Eugen
  • Annette Peiler - Josefine (Fine)
  • Irmgard Hohelüchter - Martha
  • Udo Reher - Manfred
  • Ingrid Peiler - Waltraud
  • Susanne Kallinger - Christine
  • Souffleusen: Maria Goßheger und Regina Harbaum, Spielleiter: Günter K. Neuer

Spieltermine 2019:

  • Sonntag, 03. November, 17.00 Uhr
  • Samstag, 09. November, 19.00 Uhr
  • Sonntag, 10. November, 15.00 Uhr
  • Samstag, 23. November, 19.00 Uhr
  • Sonntag, 24. November, 17.00 Uhr
  • Samstag, 30. November, 18.00 Uhr Zusatztermin

Galerie

Bilder Vorhang auf - Premiere

Fotos: G. Münstermann

Über 1000 begeisterte Besucher

Sechs Vorstellungen, über 1000 Besucher – die Saison des plattdeutschen Theaters des Heimatvereins ist zu Ende. Am Samstag standen die Schauspieler in diesem Jahr zum letzten Mal auf der Bühne im ehemaligen Kolpinghaus, der jetzigen Pizzeria La Piccola, um ihr plattdeutsches Stück „Minen How und dinen How“ aufzuführen. Übereinstimmend sagen sie: „Das war eine runde Sache und hat so viel Spaß gemacht.“

weiterlesen...

Im Wohnzimmer von Regisseur und Ideengeber Günter Neuer traf sich am Dienstagmorgen ein Teil der Theater-Crew zu einem gemütlichen Frühstück – wie immer bei bester Stimmung. Allein die Erinnerung an die gelungenen Aufführungen lässt ihre Augen strahlen. Vergessen sind die unzähligen Stunden des Probens und Textlernens. „Eigentlich hat alles riesigen Spaß gemacht“, berichtet Ingrid Peiler. „Unser Regisseur hat das Gesamtkunstwerk zusammengestellt, und wir haben einfach nur gespielt“, sagt Paul Wickern. „Wir haben richtig gut gespielt“, ergänzt Annette Peiler.

Die anfängliche Skepsis von Regisseur Günter Neuer ist verschwunden, heute lobt er seine Truppe: „Die Freude und Begeisterung vor der Bühne, auf der Bühne und hinter der Bühne – das war einfach großartig.“ Die große Aufregung vor der Premiere ist noch nicht völlig verschwunden, das Theater wirkt noch nach und ist, angesichts des großen Erfolges, einem Hochgefühl gewichen, an dem die vielen Besucher einen großen Anteil hatten.

Das Publikum sei einfach fantastisch gewesen. „Die haben geklatscht, uns motiviert und das sogar bei kleinen Textaussetzern“, so der übereinstimmende Dank der Laiendarsteller an die Zuschauer. Und die Textaussetzer seien am Ende immer weniger geworden. „Die Souffleusen hatten das gut im Griff“, stellt Neuer fest, dann fällt ihm lachend das „Kattenküörwken“ ein, wie Udo Reher den Souffleusenkasten liebevoll getauft hatte.

Insgesamt waren 26 Menschen für die gelungene Vorstellung verantwortlich. Sechs Personen, die allein bei der Vorbereitung halfen, 20 am Aufführungstag selber. Alle sind sich aber einig: Den wichtigsten Part hatte der Regisseur: „Günter war so souverän und ruhig und hatte dabei trotzdem eine gerade Linie“, lobt Ingrid Peiler. Eine wichtige Stütze sei auch CoRegisseur Christoph Kallinger gewesen.

„Der hat uns qualitätsmäßig weitergebracht“, stellt Paul Wickern fest und Annette Peiler fügt hinzu: „Obwohl er wenig Erfahrung im Theaterspielen hat, sind ihm kleine Details und Nuancen aufgefallen.“ Souffleuse Maria Gossheger lobt aber auch die Theaterspieler selber: „Ihr habt nicht nur einfach gut gespielt, sondern wart mit Herzblut dabei.“

Hinter der Bühne ging es manchmal hektisch zu. Kostümwechsel, Schminken, Requisiten – dank der guten Hilfe sei das aber kein Problem gewesen. Man habe es sich gemütlich gemacht. „Oft ist ein kleines Buffet zusammengekommen, mit viel Süßem als Nervennahrung“, gibt Annette Peiler zu.

Gut geklappt hat, nicht zuletzt dank der guten Werbung durch Flyer und Plakate, auch der Vorverkauf. „Die Schlangen vor der Alten Post waren lang“, erinnert sich Inge Peiler. Alle Vorstellungen waren ausverkauft, manche schon am ersten Vorverkaufstag.

Größere oder kleinere Katastrophen habe es nicht gegeben, lediglich der Lautsprecherausfall zu Beginn der letzten Vorstellung habe zu einer 15-minütigen Verzögerung geführt und den Regisseur in seiner Begrüßung ein wenig aus dem Konzept gebracht.

Verbesserungsvorschläge für die nächste Vorstellung haben die Schauspieler nicht. „So wie es war, war es perfekt“, stellen sie unisono fest. Dann fällt Günter Neuer doch noch was ein: „Die Männer in Frauen-Rollen müssen sich die Beine rasieren“, sagt er schmunzelnd.

Froh sind alle, dass keiner der Schauspieler krank geworden ist, denn jede Rolle war nur einmal besetzt. Hier wünschen sie sich für das nächste Stück, das definitiv in zwei Jahren kommen soll, weitere Mitspieler. „Wir suchen vor allen Dingen auch jüngere Mitspieler, sogar Kinder kommen in einigen Stücken vor“, sagt Neuer.

Ein großes Glück ist auch, dass für die Requisiten ein Lagerraum gefunden wurde. „Familie Eichmann stellt uns kostenlos einen Raum zur Verfügung“, freut sich Neuer. Und der ist mitten in der Stadt im ehemaligen Teeladen.

Ein Jahr hat Günter Neuer jetzt Zeit, um ein neues Stück auszusuchen. Bis dahin soll ein Stammtisch gegründet werden, damit sich die Truppe nicht aus den Augen verliert.

Galerie

Bilder Vorhang auf - Letzte Vorstellung

Fotos: G. Münstermann

Seitenlinks